Montag, 7. Oktober 2013

A Grey Day

Heute  war ein schlimmer Tag.
Es gibt zwar schlimmere Tage, wesentlich fürchterlichere, grauenvollere, absolut schwarze Tage, aber der hier war heute einfach nur schlimm.
Leider ist das hier kein Tagebuch, deshalb kann ich nicht erzählen, was passiert ist.
Eigentlich sind es nur viele Dinge, die sich angehäuft und mich im besten Fall nur verunsichert haben.

Auf der Zugfahrt nach Hause saß ich allein, schaute aus dem Fenster, weil ich mich auf das Buch nicht konzentrieren konnte.
Der Zug fuhr schnell, viel zu schnell, alles rast vorbei, die Zeit, das Leben.
Die Konturen verwischen wie in einem Science -  Fiction Film, wie in einer Zeitreise.
Das Grau des bewölkten Himmels spiegelt sich auf den Schienen; hinter mir steht ein Mann. Er ist nervös und führt Selbstgespräche, will nicht erwischt werden. Seine Hand umklammert die Ecke meiner Sitzlehne, dabei hat er ein paar einzelne Haare von mir eingeklemmt.
Eine schwarzhaarige Frau setzt sich mir gegenüber, blättert in einem Heftchen mit lila Umschlag, schweigt, legt den Kopf schief.
Draußen gibt es keinen Twilight - Wald; es gibt nur Felder, Wiesen und traurige Bäume, die sich trostlos inmitten der Einöde verlaufen haben, einem Abgrund aus blauem Grün, hartem Grau und toten Braun.
Dort stehen sie, ein wenig schief, vor meinen Augen scheinen sie zu wanken, sich gegenseitig zu stützen.
Wenn es keine Sonne gibt, gibt es nichts, was diesen Anblick beschönigen könnte.
Ich habe heute zum ersten Mal darüber nachgedacht, warum ich Lehrerin werden will.
Die Leiterin des Instituts für Germanistik hat eine flammende Rede gehalten, ohne Zettel, souverän, gelassen, ganz in edlem Schwarz.
Ich wusste gleich - so wie sie wollte ich auch einmal reden können, die vielen Fremdbegriffe, die komplizierten, hochtrabenden Sätze, diese Überlegenheit, die in jeder Silbe mitschwang.
Wenn wir eine gute Lehrerin werden wollten, sollten wir uns nicht darauf ausrichten, uns nur die wichtigsten Informationen anzueignen, sondern viel mehr als das lernen, das gefordert ist.
Eine gute Lehrerin kennt Hintergründe, sie kann viele Sachen erklären ohne sagen zu müssen ,,das ist einfach so".
Eine Lehrerin repräsentiert Bildung, Kompetenz, sie ist ein Vorbild.
Ich habe schon einige Studenten gefragt, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben.
Alle hatten irgendeine sinnvolle Begründung.
Ich nicht.
Ich habe nie als kleines Mädchen davon geträumt, zu unterrichten.
Ich bin ledigdlich sehr gut in Deutsch und Geschichte und kann gut erklären.
Das wars.
Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob das wirklich das Richtige für mich ist. Wenn ich eine schlechtere Lehrerin bin, versaue ich vielleicht anderen jungen Menschen ihr Leben.
 

3 Kommentare:

  1. Du studierst das doch, um es zu lernen und nicht, weil du von Anfang an perfekt bist ;-)
    :-*
    Köpfchen hoch

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