Erleichtert kann ich berichten, dass ich die erste Semesterwoche relativ gut überstanden habe.
Am Montag saß ich schon über eine Stunde eher an der Uni herum, weil wegen der blöden Baustelle die Züge echt bekloppt fahren. Aber bevor ich überhaupt das Gebäude betrat, wurde ich von einer jungen, blonden Studentin angesprochen. Sie versuchte, mir ein kostenloses Probe-Abo der Frankfurter Allgemeinen sowie einer anderen Zeitung, die immer nur Freitag erscheint, aufzuquatschen. Im Normalfall sage ich bei sowas nein und sehe zu, dass ich verschwinde, aber die Blondine hat das gar nicht mal so dumm angestellt. Sie kam auf mich zugelaufen, ohne aufdringlich zu wirken und hat als erstes mit einer Zeitung gewedelt und gefragt, ob ich eine Ausgabe mal Probelesen wöllte. Da sagt man ja eigentlich nicht nein. Und vor allem bleibt man erstmal stehen.
Das war ihre Gelegenheit, um von der FAZ zu schwärmen, wie toll das wäre, sie 2 Wochen kostenlos ins Haus geliefert zu bekommen, man kann jederzeit kündigen blabla und außerdem würde sie 4 Euro bekommen, wenn ich zusage...Ich schaute in ihr leicht gerötetes Gesicht, mit der etwas unförmigen Nase, der Banküberfall-Mütze und den hellen Augen und dachte: ach was solls. Du bist heute mal nett. Sichtlich erfreut wurde das Antragsformular ausgefüllt, ich unterschrieb, fühlte mich irgendwie schlecht, lächelte aber und wurde doch prompt mit der nächsten Zeitung konfrontiert. Seufzend stimmte ich zu, hasste mich im selben Moment dafür, aber vielleicht würde sich das ja positiv auf mein Uni-Karma auswirken, redete ich mir ein.
Nachdem ich endlich innerhalb des wärmenden Gebäudes angekommen war, suchte ich mir einen Platz auf einer ner langen, massiven Holzbänken - die einzigen hellen Lichtpunkte eines ansonsten deprimierenden/modernen Hörsaalzentrums (wenn man von den eigenartigen, abstrakten Illustrationen absieht, die an die Wände geklatscht wurden. Sie wecken entweder tief verborgene Aggressionen oder Ängste. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Risiko eines Suizids beim betrachten dieser "Kunst" exponentiell zunimmt. Aber ich bin ja keine Künstlerin. Normale Menschen verstehen ja nichts davon). Die wenigen Studenten, die um diese Zeit ebenfalls in der Uni herumtrödelten, saßen jeweils immer an den äußersten Enden dieser Bänke. Obwohl ein äußeres, begehrtes Ende noch frei war, setzte ich mich zu meinem eigenen Erstaunen einmal in die Mitte. Dort las ich den Artikel über Donald Trump und seinen Schäfchen, die ihm entlaufen waren. Meiner Meinung nach ist es ein Wunder, dass er überhaupt Schäfchen hatte - aber wir wollen hier nicht politisch werden.
Eine richtige Zeitung zu lesen (ich meine keine Intouch, Joy, Cosmopolitan usw) gibt einem das Gefühl irgendwie extrem gebildet zu sein, auch wenn man die meisten Artikel überspringt.
In meinem ersten und einzigen Seminar des Tages wurde ich wieder von einer Kommilitonin angesprochen, was mich ehrlich gesagt richtig freute. Meine Uni-Bekanntschaft würde dieses Seminar nicht besuchen und es war wie gesagt richtig angenehm, jemanden zum Reden zu haben. Sie war sehr nett und offen, daran erkennt man sofort, dass sie aus einem höheren Semester stammt. Desto jünger die Studenten, desto seltsamer und unumgänglicher sind sie. Sie jedenfalls hatte den Text ebenfalls nicht gelesen, nicht mal ausgedruckt, was sie mir auf Anhieb sympatisch erscheinen ließ. Dieses Semester war ihr letztes, jetzt ginge es an die Staatsexamensprüfungen.
Der Dozent des Seminars wirkte auch relativ sympatisch und man sah ihm an, wie sehr sein Fachgebiet vergötterte. Er redete wie jemand, der keine Notizen braucht, da er einfach aus vollem Interesse voll im Stoff steht. Es schien, als faszinierten ihnen seine eigenen Worte selbst und ein wenig wurde ich von dieser Hingabe auch angesteckt.
Der Dienstag hielt für mich ebenfalls nur eine Veranstaltung parat. Es war die zweite Psychologie-Vorlesung und hatte mit Psychologie wie auch Psycho I und III nicht wirklich viel zu tun. Natürlich kannte ich wieder niemanden. Verschüchtert saß ich 3 Plätze vom Rand entfernt und beneidete den typ vor mir, weil er eine Gummibärchentüte hatte. Und ich hatte nicht mal Schokolade mit :(
Der Hörsaal füllte sich nach und nach und letztendlich verirrte sich ein männliches Geschöpf auf den Platz zu meiner linken. Er trug ein interessantes Parfüm, das zugleich frisch und männlich roch und mich irgendwie...dazu brachte, ihm zumindest einen verstohlenen Seitenblick zu schenken. Dunkelblonde, zur momentan ach so modernes Superman-Frisur gestylt, Addidas-Sporttasche, olivfarbende Haut, enges T-Shirt, schmaler, aber definierter Körper.
Na sowas.
Und dann dauerte es keine zwei Minuten und er setzte sich ein paar Reihen vor mir zu einer Gruppe Studenten, angeführt von einer ungeschminkten, naturellen und ziemlich unscheinbaren Blondine.
So viel dazu.
Die Vorlesung war gelinde gesagt Zeitverschwendung. Zumindest hatte ich das Passwort für die Materialien und ich erfuhr, dass die Tutorien erst in der zweiten Woche beginnen. Ganz Klasse.
Am Donnerstag besuchte ich mit meiner Uni-Bekanntschaft einen Lektürekurs "Autorinnen des Mittelalters". Der Dozent im mittleren Alter trug übertrieben ordentliche Kleidung, wirkte aber sympatisch, wenngleich er null Erfahrung im Unterrichten hatte. Dinge zu fragen, die eh keiner wissen kann, macht nicht unbedingt Freunde. In Ermangelung geeigneten Inhalts ließ er schon nach einer halben Stunde gehen.
Nun hatte ich sogar noch länger als 2 Doppelstunden frei und vertrieb mir die Zeit in der Stadt. Ich tat all das, wozu ich sonst nie Zeit hatte, ging bummeln, erstand eine Strumpfhose mit Muster, Trüffel für Mama zu Weihnachten und hockte stundenlang im großen Thalia, studierte Buchrücken und staunte, las erste Seiten, manchmal erste Kapitel, war seltsam entspannt und glücklich, trotz der Massen von Menschen und der unbequemen Sitzgelegenheiten in penetrantem Rot.
Dann hatte ich noch ein Seminar in Deutsch, dessen Inhalt mir ehrlich gesagt ziemlich kompliziert vorkam. Politische Literatur ist nicht wirklich meins. Der Dozent war nett, keine frage, ich weiß, dass er für viele Studentinnen trotz seinen fortgeschrittenen Alters als attraktiv gilt (macht die Ausstrahlung), aber ehrlich gesagt, bin ich mir ziemlich unsicher, ob ich mich den Rest des Semester damit beschäftigen will. Das Ende vom Lied war, dass ich trotz Rennen, was echt peinlich ist, den Zug verpasste und nochmal 1,5 Stunden sinnlos am Bahnhof herumhockte. Hallo Bahnhof, lange nicht gesehen...
Am Montag saß ich schon über eine Stunde eher an der Uni herum, weil wegen der blöden Baustelle die Züge echt bekloppt fahren. Aber bevor ich überhaupt das Gebäude betrat, wurde ich von einer jungen, blonden Studentin angesprochen. Sie versuchte, mir ein kostenloses Probe-Abo der Frankfurter Allgemeinen sowie einer anderen Zeitung, die immer nur Freitag erscheint, aufzuquatschen. Im Normalfall sage ich bei sowas nein und sehe zu, dass ich verschwinde, aber die Blondine hat das gar nicht mal so dumm angestellt. Sie kam auf mich zugelaufen, ohne aufdringlich zu wirken und hat als erstes mit einer Zeitung gewedelt und gefragt, ob ich eine Ausgabe mal Probelesen wöllte. Da sagt man ja eigentlich nicht nein. Und vor allem bleibt man erstmal stehen.
Das war ihre Gelegenheit, um von der FAZ zu schwärmen, wie toll das wäre, sie 2 Wochen kostenlos ins Haus geliefert zu bekommen, man kann jederzeit kündigen blabla und außerdem würde sie 4 Euro bekommen, wenn ich zusage...Ich schaute in ihr leicht gerötetes Gesicht, mit der etwas unförmigen Nase, der Banküberfall-Mütze und den hellen Augen und dachte: ach was solls. Du bist heute mal nett. Sichtlich erfreut wurde das Antragsformular ausgefüllt, ich unterschrieb, fühlte mich irgendwie schlecht, lächelte aber und wurde doch prompt mit der nächsten Zeitung konfrontiert. Seufzend stimmte ich zu, hasste mich im selben Moment dafür, aber vielleicht würde sich das ja positiv auf mein Uni-Karma auswirken, redete ich mir ein.
Nachdem ich endlich innerhalb des wärmenden Gebäudes angekommen war, suchte ich mir einen Platz auf einer ner langen, massiven Holzbänken - die einzigen hellen Lichtpunkte eines ansonsten deprimierenden/modernen Hörsaalzentrums (wenn man von den eigenartigen, abstrakten Illustrationen absieht, die an die Wände geklatscht wurden. Sie wecken entweder tief verborgene Aggressionen oder Ängste. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Risiko eines Suizids beim betrachten dieser "Kunst" exponentiell zunimmt. Aber ich bin ja keine Künstlerin. Normale Menschen verstehen ja nichts davon). Die wenigen Studenten, die um diese Zeit ebenfalls in der Uni herumtrödelten, saßen jeweils immer an den äußersten Enden dieser Bänke. Obwohl ein äußeres, begehrtes Ende noch frei war, setzte ich mich zu meinem eigenen Erstaunen einmal in die Mitte. Dort las ich den Artikel über Donald Trump und seinen Schäfchen, die ihm entlaufen waren. Meiner Meinung nach ist es ein Wunder, dass er überhaupt Schäfchen hatte - aber wir wollen hier nicht politisch werden.
Eine richtige Zeitung zu lesen (ich meine keine Intouch, Joy, Cosmopolitan usw) gibt einem das Gefühl irgendwie extrem gebildet zu sein, auch wenn man die meisten Artikel überspringt.
In meinem ersten und einzigen Seminar des Tages wurde ich wieder von einer Kommilitonin angesprochen, was mich ehrlich gesagt richtig freute. Meine Uni-Bekanntschaft würde dieses Seminar nicht besuchen und es war wie gesagt richtig angenehm, jemanden zum Reden zu haben. Sie war sehr nett und offen, daran erkennt man sofort, dass sie aus einem höheren Semester stammt. Desto jünger die Studenten, desto seltsamer und unumgänglicher sind sie. Sie jedenfalls hatte den Text ebenfalls nicht gelesen, nicht mal ausgedruckt, was sie mir auf Anhieb sympatisch erscheinen ließ. Dieses Semester war ihr letztes, jetzt ginge es an die Staatsexamensprüfungen.
Der Dozent des Seminars wirkte auch relativ sympatisch und man sah ihm an, wie sehr sein Fachgebiet vergötterte. Er redete wie jemand, der keine Notizen braucht, da er einfach aus vollem Interesse voll im Stoff steht. Es schien, als faszinierten ihnen seine eigenen Worte selbst und ein wenig wurde ich von dieser Hingabe auch angesteckt.
Der Dienstag hielt für mich ebenfalls nur eine Veranstaltung parat. Es war die zweite Psychologie-Vorlesung und hatte mit Psychologie wie auch Psycho I und III nicht wirklich viel zu tun. Natürlich kannte ich wieder niemanden. Verschüchtert saß ich 3 Plätze vom Rand entfernt und beneidete den typ vor mir, weil er eine Gummibärchentüte hatte. Und ich hatte nicht mal Schokolade mit :(
Der Hörsaal füllte sich nach und nach und letztendlich verirrte sich ein männliches Geschöpf auf den Platz zu meiner linken. Er trug ein interessantes Parfüm, das zugleich frisch und männlich roch und mich irgendwie...dazu brachte, ihm zumindest einen verstohlenen Seitenblick zu schenken. Dunkelblonde, zur momentan ach so modernes Superman-Frisur gestylt, Addidas-Sporttasche, olivfarbende Haut, enges T-Shirt, schmaler, aber definierter Körper.
Na sowas.
Und dann dauerte es keine zwei Minuten und er setzte sich ein paar Reihen vor mir zu einer Gruppe Studenten, angeführt von einer ungeschminkten, naturellen und ziemlich unscheinbaren Blondine.
So viel dazu.
Die Vorlesung war gelinde gesagt Zeitverschwendung. Zumindest hatte ich das Passwort für die Materialien und ich erfuhr, dass die Tutorien erst in der zweiten Woche beginnen. Ganz Klasse.
Am Donnerstag besuchte ich mit meiner Uni-Bekanntschaft einen Lektürekurs "Autorinnen des Mittelalters". Der Dozent im mittleren Alter trug übertrieben ordentliche Kleidung, wirkte aber sympatisch, wenngleich er null Erfahrung im Unterrichten hatte. Dinge zu fragen, die eh keiner wissen kann, macht nicht unbedingt Freunde. In Ermangelung geeigneten Inhalts ließ er schon nach einer halben Stunde gehen.
Nun hatte ich sogar noch länger als 2 Doppelstunden frei und vertrieb mir die Zeit in der Stadt. Ich tat all das, wozu ich sonst nie Zeit hatte, ging bummeln, erstand eine Strumpfhose mit Muster, Trüffel für Mama zu Weihnachten und hockte stundenlang im großen Thalia, studierte Buchrücken und staunte, las erste Seiten, manchmal erste Kapitel, war seltsam entspannt und glücklich, trotz der Massen von Menschen und der unbequemen Sitzgelegenheiten in penetrantem Rot.
Dann hatte ich noch ein Seminar in Deutsch, dessen Inhalt mir ehrlich gesagt ziemlich kompliziert vorkam. Politische Literatur ist nicht wirklich meins. Der Dozent war nett, keine frage, ich weiß, dass er für viele Studentinnen trotz seinen fortgeschrittenen Alters als attraktiv gilt (macht die Ausstrahlung), aber ehrlich gesagt, bin ich mir ziemlich unsicher, ob ich mich den Rest des Semester damit beschäftigen will. Das Ende vom Lied war, dass ich trotz Rennen, was echt peinlich ist, den Zug verpasste und nochmal 1,5 Stunden sinnlos am Bahnhof herumhockte. Hallo Bahnhof, lange nicht gesehen...